Eine engagierte Leistung der österreichischen Nationalmannschaft im neuen Stadion im Lemberg blieb am gestrigen Abend unbelohnt. Dafür sorgten nicht zuletzt zwei Totalaussetzer der Viererkette, die von den Osteuropäern konsequent genützt wurden. Doch was kann man aus diesem Spiel mitnehmen?
Bereits nach einem Spiel unter Neo-Teamtrainer Marcel Koller von einer Trendwende zu sprechen, wäre in der Tat vermessen. Es ist allerdings nicht von der Hand zu weisen, dass beim Debüt des Schweizers eine klare taktische Struktur auszumachen war, die allerdings noch Feinschliff benötigt. Das bevorzugte System dürfte ob des Spielermaterials künftig ein flexibles 4-2-3-1 sein, wobei besonders die Außenspieler - im Fall vom gestrigen Spiel Ivanschitz, Harnik und Kavlak - sehr viel Defensivarbeit verrichten müssen, um die zentralen Mittelfeldspieler zu entlasten. Dass dies noch nicht so recht funktionierte, wurde durch die beiden Gegentore, bei denen die Ukrainer Überzahlsituationen an den Außenpositionen im Angriffsdrittel herstellen konnten, entsprechend dokumentiert.
Im Spielaufbau bevorzugt Koller offensichtlich den gepflegten und flachen Ball. Das Spiel über die Flügel wurde noch deutlich zu wenig forciert, wenngleich über die linke Seite und durch einen Vorstoß von Linksverteidiger Christian Fuchs der Ausgleichstreffer vorbereitet wurde. Sowohl Ivanschitz als auch Harnik tendieren dazu, eher nach innen zu ziehen und den Ball am Boden zu halten, statt an die Grundlinie zu kommen - abzuwarten bleibt, ob Koller diese Konstellation beibehält oder doch eher Marko Arnautovic, der am Flügel mehr Platz hätte, seine technischen Fähigkeiten auszuspielen, nach außen zieht.
In der Verteidigung bleibt das Problem, dass teils haarsträubende individuelle Fehler eigentlich solide Leistungen zunichte machen. Stellungsfehler und Abstimmungsprobleme ziehen sich wie ein roter Faden durch die letzten Jahre, obwohl das Spielermaterial grundsätzlich als 'in Ordnung' bezeichnet werden kann und die Akteure auch über - zum Teil hochwertige und ausreichende - Spielpraxis in guten europäischen Ligen verfügen. Wichtig wird es sein, dass Koller eine fixe Viererkette findet und dieser dann auch ausreichend Zeit gibt, sich aufeinander abzustimmen. Dass Schiemer nur mehr in Ausnahmesituationen als rechter Verteidiger in Frage kommen wird, steht nach dem Auftritt des Salzburgers außer Frage; Auf dieser personell sowohl qualitativ als auch quantitativ eher mäßig besetzten Position muss man darauf hoffen, dass Italien-Legionär Garics nach seiner langen Verletzungspause Abhilfe schaffen kann.
Fazit: Verlauf und Ausgang des gestrigen Spiels muten 'typisch österreichisch' an. Eine akzeptable Leistung gepaart mit vermeidbaren Defensivaussetzern und einem späten Gegentor, das man sogar in Überzahl hinnehmen musste - und das alles bei katastrophaler eigener Chancenverwertung. Im allgemeinen Defensivverbund und beim Umschalten von Offensive zur Defensive muss Koller in jedem Fall ansetzen; Das Pressing der Offensivakteure sowie die teilweise schon zu sehende spielerische Linie waren mal ein guter Anfang, auf dem es aufzubauen gilt.
gut zusammengefasst, seh ich eigentlich genauso. hab mir beim 1:2 auch gedacht "typisch österreichisch". aber ich denke das team ist auf einem guten weg..
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