Donnerstag, 10. November 2011

Sir Alexander Ferguson - ein Kurzporträt

Der 6. November 2011 ist bereits vorbei... mehr als 25 Jahre sind vergangen, seit Sir Alexander Ferguson seinen Dienst am Sir Matt Busby Way angetreten hat. 25 Jahre, in denen seine Erfolge die Vorherrschaft im Nordwesten Englands bzw. im gesamten englischen Fußball von Liverpool nach Manchester verschoben haben. 25 Jahre, in denen Jugendförderung, der Aufbau einer stark hierarchischen gegliederten Vereinsstruktur und nicht zuletzt die Kommerzialisierung des Vereins - als Vorreiter in Europa wohlgemerkt - im Vordergrund standen.
Ferguson kam wahrlich nicht als unbekannter Nachwuchstrainer in den Westen von Manchester. Vielmehr konnte er auf zahlreiche Erfolge in Schottland verweisen; Mehrere Meistertitel mit dem Aberdeen FC konnte er 1983 gar mit einem Europapokalsieg der Pokalsieger krönen. Er sprengte als gebürtiger Glaswegian und Anhänger der Glasgow Rangers das Duopol von Rangers/Celtic, die zuvor 15 Meisterschaften in Folge erringen konnten.

Die Erfolge von Ferguson aufzuzählen soll nicht Teil dieses Beitrages sein; diese können z.B. hier nachgelesen werden. Vielmehr soll die Fähigkeit von Ferguson gewürdigt werden, über mehrere Jahrzehnte hinweg immer wieder Teams zu 'basteln', die den Anforderungen der modernen Zeit entsprechen. Angefangen von jenem Team, das 1990 den FA Cup gewinnen konnte (und, das sollte nicht unter den Tisch gekehrt werden, zu dieser Zeit Ferguson den Job rettete) über jenes, das nach 26 Jahren erstmals wieder eine Meisterschaft nach Old Trafford holen konnte, hin zum 'Treble Team', das sich 1999 auch zur Nr. 1 in Europa krönen konnte.
Die Positionierung des Vereins zu Beginn der 1990er Jahre spielte in der Entwicklung der kommenden 15 Jahre eine entscheidende Rolle. United hatte einerseits das Glück, gerade zu Beginn des 'Sky-Zeitalters' in die Erfolgsspur zurückzukehren. Andererseits konnte der Verein ab 1995 auf die vielzitierte 'class of '92' zurückgreifen, die sich aus jenen Jugendspielern zusammensetzte, die gemeinsam 1992 den FA Youth Cup gewinnen konnten. Zu dieser Gruppe gehörten David Beckham, Paul Scholes, Nicky Butt, Gary Neville und Phil Neville, die den Kern des erfolgreichen United-Teams der 1990er Jahre (und teilweise darüberhinaus) bildeten. Der finanzielle Vorteil gegenüber der Konkurrenz ermöglichte es Ferguson zum einen, ein Auge auf die Infrastruktur des Vereins zu haben (Stichwort ständige Erweiterung von Old Trafford & Modernisierung des Trainingszentrums Carrington im Westen der Stadt), andererseits für Topstars, die nicht aus dem eigenen Nachwuchs kamen, entsprechende Summen zu offerieren. Schon rund 15 Jahre, bevor der Stadtrivale Manchester City Rekordsummen für Spieler ausgeben konnte, brach Ferguson den britischen Transferrekord nicht nur einmal - etwa mit der Verpflichtung von Roy Keane von Nottingham Forest um £3,75m im Jahr 1993. Um den irischen Ausnahmekönner herum konnte Ferguson ein Team aufbauen, das bis 2005 insgesamt sieben Meisterschaften errang, wobei Keane ab dem Jahr 1997 als Kapitän der Mannschaft fungierte.
Keane gesellte sich in die Reihe jener Ausnahmekönner, die unter Ferguson entweder das Fußball spielen lernten oder ihren fußballerischen Höhepunkt erreichten: Eric Cantona, Roy Keane, Andy Cole, Cristiano Ronaldo, Wayne Rooney und nicht zuletzt Ryan Giggs, der immer noch aktiv ist und als Fergusons Ausnahme- und Musterschüler gilt. Das bedeutet nicht, dass Klublegenden wie Bryan Robson, Dennis Irwin oder verdienstvolle Spieler wie Lee Sharpe, Paul Ince oder Steve Bruce hier unter 'ferner liefen' eingeordnet werden sollen - einen 'Best Of'-Kader aus 25 Jahren Sir Alex Ferguson aufzustellen kann jedoch getrost als mehr oder minder unmöglich bezeichnet werden. Zu groß ist die Auswahl jener Klassespieler, die Ferguson betreut und geformt hat; zu groß ist auch die Zahl jener, die er ohne Sentimentalitäten verkaufte oder dazu zwang, den Klub zu verlassen, wenn es dem Wohl des Klubs dienlich war. Als bestes Beispiel gelten in diesem Zusammenhang wieder die schon genannten Roy Keane und Paul Ince, aber - wenn auch auf andere, schmerzvollere Art und Weise - auch Captain Marvel Bryan Robson, der im FA Cup-Finale 1994 nach 13-jähriger Dienstzeit nur auf der Tribüne Platz nehmen durfte.

Ein Irrglaube ist allerdings, dass Ferguson seine Mannschaft ausschließlich mit harter Hand führt bzw. stets geführt hat. Gerade die Rubrik man management darf man getrost zu seinen Stärken zählen. Wenn es darum geht, Spieler aus der Schusslinie zu nehmen, sie danach - etwa auch unter Einbeziehung mehrerer Spiele bei der Reserve - wieder aufzubauen oder überhaupt stark zu reden, auch wenn sie offensichtliche Defizite haben, gehört Ferguson zu den herausragenden Leuten der Fußballbranche. Wer sich seinen Regeln unterwirft und Disziplin als oberstes Gebot gelten lässt, hat mit dem Sir im Normalfall keine Schwierigkeiten und wird sich, wie an unzähligen Beispielen zu sehen ist, dementsprechend weiterentwickeln.
Die positiven Seiten der Ära von Sir Alex Ferguson aufzuzählen würde mehr als nur einen Blogeintrag benötigen - keinesfalls soll auch sein Umgang mit den Medien und der teils zu Recht kritisierte Umgang mit der Branche im Allgemeinen unter den Tisch fallen. Ferguson, der etwa jahrelang aufgrund einer - wie vermutet wird - privaten Unstimmigkeit nicht mit der BBC redete (und kurioserweise stets seine Co-Trainer zu den Interviews schickte, was teilweise ein skurrilles Bild abgab), hat den Umgang mit den Medien bzw. die Verwendung dieser für seine eigenen Zwecke mehr oder minder optimiert. Im Übergang zum Sky-Zeitalter quasi als United-Manager groß geworden, hat er für seine berühmten mind games, besonders vor großen Spielen, stets sämtliche Register gezogen, um die Konkurrenz auszustechen. Dieses Spiel mit den Medien und der Konkurrenz hat sich so in den Köpfen der anderen Vereine und deren Fans festgesetzt, dass nach wie vor Mythen wie 'United never concede a penalty at Old Trafford' oder 'United have bought the ref again' bzw. 'Fergie time is well and truly alive'  kursieren, deren Inhalt schlicht und ergreifend Unsinn sind und deren Inhalt z.T. statistisch als falsch oder vernachlässigbar nachgewiesen werden kann. Unter dem Strich können diese Verschwörungstheorien, die der Erfolg von Ferguson mit sich gebracht hat, unter dem österrreichischen Motto 'vü Feind, vü Ehr'' zusammengefasst werden.

Letztendlich stellt sich die Frage: Wie lange wird Ferguson noch Manager von United sein? Ferguson selbst ließ anklingen, dass er den Job so lange machen möchte, wie es seine Gesundheit zulässt. Das tägliche Trainingsgeschäft wird ohnehin seit Jahren bereits von seinen Assistenten durchgeführt, womit sich die physische Belastung in Grenzen hält. Die derzeitige Jugendgeneration rund um die Akteure Ravel Morrison, Paul Pogba, Ryan Tunnicliffe und Will Keane, die in diesem Jahr den FA Youth Cup gewinnen konnte, wird Ferguson aus meiner Sicht dazu motivieren, noch eine Weile weiterzumachen. Gepaart mit diversen jungen Spielern, die bereits den Durchbruch geschafft haben, wird Ferguson um Wayne Rooney ein Team aufbauen, das der nationalen und internationalen Konkurrenz weiterhin die Stirn bieten kann. Es wird also weiterhin business as usual am Sir Matt Busby Way geben - ein junges Team mit einem englischen (britischen) Stamm, teils versetzt mit Spielern aus dem eigenen Nachwuchs, teils verstärkt mit Stars, die man aus der Liga und Europa zugekauft hat. Die finanzielle Potenz des Klubs sowie das fallende Schuldenniveau lassen in Zukunft möglicherweise wieder größere Schritte am Spielersektor zu - ob Ferguson daran interessiert ist, dieses Geld auch auszugeben (diesen Eindruck hat er in den vergangenen Transferperioden nicht vermittelt), wird sich weisen.

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