Montag, 14. November 2011

England vs. Spanien

Am Wochenende stand als einzig für mich interessante Begegnung das Duell von England mit Welt- und Europameister Spanien auf dem Plan. Der Blick auf die Kader ließ nichts Gutes erahnen, da England mit Steven Gerrard, Wayne Rooney, Chris Smalling, Rio Ferdinand, Ashley Young und Tom Cleverley gleich sechs Spieler - vornehmlich von Manchester United - vorgeben musste. Zudem saß Kapitän John Terry nur auf der Bank und die ohnehin dünne Angriffsreihe wurde von Darren Bent (Aston Villa) angeführt.
Spanien hingegen konnte aus dem Vollen schöpfen und ein Mittelfeld bestehend aus Xabi Alonso, Xavi, Iniesta, Busquets und David Silva aufbieten. Demgegenüber stand eine Fünferreihe, die in der Zentrale von Phil Jones (Manchester United) und Scott Parker (Tottenham) sowie Frank Lampard (Chelsea) als Kapitän bestückt war, während die Außenbahnen von James Milner (Manchester City) und Theo Walcott (Arsenal) bearbeitet wurden. Ließen die Aufstellung nicht unbedingt ein ausgeglichenes Spiel erwarten, so bleibt zu sagen, dass vor allem die erste Hälfte genau dies war: Ausgeglichen, sowohl was die Spielanteile, als auch die Torchancen betraf (wobei anzumerken ist, dass keines der beiden Teams je wirklich gefährlich werden konnte). Dies alleine kann man der englischen Mannschaft schon positiv zugutehalten, denn der letzte Pass der Spanier wurde - trotz 70% Ballbesitz über die gesamte Spielzeit gesehen - mit gutem Verschieben und taktischer Disziplin hervorragend unterbunden. Lediglich in den letzten 20 Minuten war die überlegene spielerische Klasse der Iberer klar zu sehen; Obwohl England stark unter Druck gesetzt wurde und kaum mehr aus der eigenen Hälfte kam und sich damit zwangsläufig Chancen für die Spanier - vor allem für den sehr agilen Cesc Fabregas - ergaben, konnte der Laden sprichwörtlich 'dicht gehalten' werden.

Die Offensivreihe von England war an diesem Samstagabend allerdings weitgehend marginalisiert. Das Tor des Tages fiel - dem Spielverlauf und Offensivspiel entsprechend - aus einer Standardsituation per Abstauber. Teamchef Capello wird sich mit seiner italienisch anmutenden Spielweise zwar wohl mit dem Ergebnis bestätigt fühlen, ein Blick auf den 'team sheet' legt aber definitiv nahe, dass mit der Rückkehr einiger verletzter und geschonter Akteure die Karten neu gemischt werden. Dennoch darf man auch als Außenstehender die Frage stellen, ob Capello nicht besser daran täte, explizit der Jugend den Vorzug zu geben? Terry, Ferdinand, Ashley Cole oder auch Frank Lampard haben den Zenit ihrer Karrieren schon hinter sich und es gäbe definitiv Kandidaten, die ihre Kaderplätze bzw. Plätze in der Starting XI einnehmen könnten. Liverpool-Kapitän Steven Gerrard könnte hingegen für das Team in einem angepeilten 4-2-3-1 System als hängende Spitze bzw. Spielmacher hinter Wayne Rooney noch interessant sein; von ihm abgesehen könnte England personell betrachtet allerdings auch weggehen von alten, festgefahrenen Strukturen; Die Spieler dazu sind da: Wilshere, Cleverley, Rodwell, Welbeck, Sturridge, um nur einige zu nennen. Ein Umbruch vor der EURO 2012 in Polen/Ukraine scheint unrealistisch zu sein. Für die Zeit danach ist allerdings gut vorstellbar, dass Ferdinand und Terry ihre internationalen Karrieren beenden, Lampard sich auf den Klub konzentriert und auch Akteure wie Gareth Barry von der jüngeren Konkurrenz verdrängt werden. Ein solches England könnte nach heutigen Gesichtspunkten so aussehen:

Hart
Walker - Jones - Smalling - Baines
Cleverley - Wilshere
Sturridge - Gerrard - Young
Rooney

Dazu gibt es bereits jetzt auf fast allen Positionen - abgesehen von der sehr angespannten Position des Torhüters - Alternativen. Micah Richards von Manchester City kann Rechts- und Innenverteidiger spielen, sein Teamkollege Joleon Lescott ist ebenso wie Phil Jagielka von Everton Innenverteidiger; Im Mittelfeld sind Jack Rodwell (Everton), Theo Walcott (Arsenal), Danny Welbeck (Manchester United, kann auch im Angriff eingesetzt werden), Adam Johnson (Manchester City) und auch Aaron Lennon (Tottenham) für einen Platz in der Startelf interessant, lediglich im Angriff fehlt es neben Wayne Rooney an Klasse (Bent, Carroll, Defoe gehören nicht zur europäischen Extraklasse).
Aus dem Pool der noch nicht zu 100% etablierten Spieler werden wohl mittelfristig Alex Oxlade-Chamberlain (Arsenal), der auf U21-Level für Furore sorgt, Ross Barkley (Everton, zentrales Mittelfeld) sowie Martin Kelly (Rechtsverteidiger, Liverpool) interessant. Sehr junge Spieler wie Ravel Morrison (Manchester United), Connor Wickham (Sunderland) oder Josh McEachran (Chelsea) haben zwar noch kaum Profierfahrung, gelten in ihren Jahrgängen allerdings als Ausnahmetalente.

Die Frage, ob England diesen Umbau tatsächlich in Angriff nimmt, wird sich nächsten Herbst zumindest teilweise beantworten. Wenn die 'alten' Akteure nicht gewillt sind, aus eigenem Willen aus dem Team zurückzutreten, muss früher oder später ein radikaler Schnitt erfolgen - auch, wenn dies bedeutet, dass diese Akteure einfach nicht mehr einberufen werden. England hat die Talente - nur spielen müssen sie auch.

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