Eine derart unspektakuläre Transferzeit wie die bisherige hat man in den letzten Jahren in der Keißlergasse wohl nicht erlebt – zumindest nach außen hin. Man darf sich sicher sein, dass in den Räumlichkeiten des Vereins wohl ziemlich hart am Frühjahrskader gearbeitet wird, was Schöttel ja schon im Spätherbst, noch vor unserer ‚Erfolgsphase‘, angekündigt hat.
Während in Wien X ein Spieler aus La Masia, der berühmten Jugendakademie des FC Barcelona, zur Verstärkung des Mittelfelds kommen soll, wird unser Mittelfeldproblem anscheinend aber als unwesentlich ‚behandelt‘. Wenn ich mir unsere Kaderstruktur genauer ansehe, so ist klar, dass ein wohl bald folgender Abgang von Salihi den Kader nicht schwächen wird. Das Geld, dem Vernehmen nach bis zu einer halben Million Pfund, wenn es denn tatsächlich die Hoops werden und der Albaner in den Celtic Park übersiedelt, können wir aber sehr gut brauchen. Der Reihe nach…
Auf der Torhüterposition wird sich wohl bis zum Sommer nichts tun. Anscheinend plant der Verein mit Königshofer und Novota, während Payer nahegelegt wurde, sich einen neuen Klub zu suchen. Eine Verlängerung des am 30.06.2012 auslaufenden Vertrages halte ich für ziemlich ausgeschlossen (ohne Insiderinfos, reiner Hausverstand) und wäre nach der ohnehin bereits unverständlichen Verlängerung im Jahr 2010 ein Schlag ins Gesicht jedes Fans, der sich die Leistungen von Payer in den vergangenen Jahren nach dem letzten Meistertitel 2008 ansehen musste.
Auf den Außenverteidigerpositionen sind wir – man traut es sich kaum zu sagen – für nationale Verhältnisse sehr gut besetzt. Diese Problemzone hat der Verein mit den Verpflichtungen von Schimpelsberger und Schrammel, der seinen Leistungszenit nach seinem Kreuzbandriss aber erst erreichen muss, nach jahrelanger Untätigkeit bearbeitet. Katzer spielt eine solide Saison, was nach seinen diversen Verletzungen in dem Alter auch nicht zu erwarten war. In der Innenverteidigung bleibt Dibon von der Admira sicherlich ein Thema, Fakt ist aber, dass wir mit Pichler, Sonnleitner, Soma und Patocka vier Spieler haben, die diese Rolle zumindest nominell ausfüllen können. Zudem gibt es im Frühjahr keine Europacup- oder Cupspiele (mehr), weshalb ein fünfter Innenverteidiger einerseits zahlen-, und andererseits budgetmäßig zu viel des Gutes wäre. Dibon ist eine schwierige Personalie: Im Sommer wird der Admira-Kapitän ablösefrei sein und kann sich somit seinen Klub aussuchen – ein saftiges Handgeld wird dabei definitiv ebenfalls fließen. Unter einer Ablöse von 500.000 EUR wird der Verein aus der Südstadt Dibon aber auch im Winter sicher nicht ziehen lassen, da alleine die verpflichtend zu leistende Ausbildungsentschädigung einen Großteil dieser potentiellen Summe ausmachen würde. Im Gesamtkontext muss des weiteren angemerkt werden, dass die Verteidigung im Herbst ganz sicher nicht unsere Problemzone war; Pichler und Sonnleitner haben gegen Ende ein sehr ordentliches und stabiles Duo gebildet. Sowohl Soma als auch Patocka dürfte man gesagt haben, dass ihnen bei einem entsprechenden Transferwunsch keine Steine in den Weg gelegt werden. Patocka hat dies im Gespräch mit sport10.at sogar bestätigt. Ausgeschlossen kann ein Transfer eines Innenverteidigers damit nicht werden, darauf wetten würde ich allerdings ebenfalls nicht.
Im Mittelfeld könnte sich bei einem potentiellen Transfer von Christopher Drazan ins Ausland (der KURIER berichtet, dass Mönchengladbach und nach wie vor der FC Basel interessiert sein sollen; Sportmanager Ebner hat bereits dementiert) ein Loch auf der linken Seite auftun. Ich persönlich bin kein allzu großer Fan von sentimentalen Lösungen alá Ümit Korkmaz, was weniger an seinem Können, sondern vielmehr an seiner Verletzungsanfälligkeit liegt. Kann Drazan zumindest bis zum Sommer gehalten werden, würde ich mir noch einen zentralen Mittelfeldspieler wünschen. Zwar besitzt Schöttel für die vier Offensivpositionen im 4-2-3-1 System mit Drazan, Trimmel, Hofmann, Burgstaller, Alar, Nuhiu, Gartler und notfalls auch Boris Prokopic acht Akteure (Salihi ausgenommen), hinter den zentralen Akteuren Thomas Prager und Markus Heikkinen tummeln sich aber nur Back-Ups wie Kulovits, Prokopic und Notlösungen alá Hofmann (dessen beste Position mittlerweile eindeutig hinter einer Solospitze ist, wo er sein Passspiel und seine Übersicht einsetzen kann) – was vermutlich zu wenig ist, um bis zum Ende um den Titel mitzuspielen. Wäre Prager ein Akteur, der eine positive Verletzungshistorie aufzuweisen hätte, würde ich von der Forderung nach einem weiteren zentralen Spieler absehen. Seine Verfügbarkeit und auch jene anderer zentraler Akteure (zentral im positionstechnischen Sinne) wie Hofmann, Prokopic oder auch Heikkinen ist aber im Regelfall eingeschränkt.
In der Summe würde ich mir realistischerweise für den Winter Abgänge von Salihi, Patocka (Soma dürfte nicht wechseln wollen, womit sich dieser Transfer erledigt hat), Saurer und einen aus dem Duo Thonhofer/Kulovits wünschen. Nicht zu Unrecht hat bereits Pacult vergangene Saison festgestellt, dass der Kader viel zu groß ist und die Vertragssituation einiger Akteure es nicht ohne Aufwand von entsprechenden finanziellen Mitteln zulässt, diesen zu verkleinern. Es können natürlich Fragen gestellt werden, ob die Verlängerungen von Soma, Kulovits, Payer oder auch Katzer in den vergangenen beiden Jahren notwendig waren. Die Antwort wird in den meisten Fällen ‚nein‘ lauten, die Tatsache, dass es so gekommen ist, lässt sich nun jedoch nicht mehr verändern. Ich rechne es Schöttel etwa hoch an, dass er eingesehen hat, dass Soma als Stammspieler nicht mehr in Frage kommen darf, obwohl er selbst für die Verlängerung zuständig war.
Wie angekündigt wurden mit Start des neuen Jahres die bisherigen Amateure Dominik Wydra (17) und Lukas Grozurek (20) in den Kader der Kampfmannschaft beordert. Mein nachträglicher Wunsch an das Christkind wäre bei einem gleichzeitigen Abgang einer unserer Innenverteidiger die Verpflichtung von Admira-Kapitän Dibon. Noch wichtiger wäre allerdings ein zentraler Mittelfeldspieler, der Prager und Heikkinen entlasten kann.